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Aalborg

Es muss nicht immer London, Paris oder New York sein. Um ein paar Tage lang eine Stadt mit Flair zu entdecken, genügt es, den Koffer zu packen und nach Aalborg zu reisen. Nordjütlands Hauptstadt hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer quicklebendigen Metropole gewandelt, die vor Lebenslust brummt.

Für den ersten Überblick geht es auf den dreibeinigen Aalborgturm im Mølleparken, der für die Industrieausstellung 1932 aus Stahl erbaut wurde. Der Blick aus dem gemütlichen Café in 105 Meter Höhe zeigt eine Metropole im Umbruch: Die alte Hafen- und Handelsstadt am südlichen Ufer des Limfjords, der hier eher einem Fluss gleicht, steckt mitten in der Revitalisierung ehemaliger Hafengebiete.

Fest am Kai vertäut liegt hier auch der 50 Jahre alte Eisbrecher „Elbjørn“. Bei Sonne schmeckt ein Heringsteller an Deck, bei Schlechtwetter die jütländische Küche im Maschinenraum.

Zu Ehren des weltberühmten dänischen Architekten und Pritzker-Preisträgers Jørn Utzon wurde kürzlich in seiner Heimatstadt das Utzon Center eröffnet – nach Entwürfen des Meisters und seines Sohnes Kim. Das 2.400 Quadratmeter große Multifunktionhaus am Limfjord umfasst Ausstellungsräume, eine Architekturbibliothek, ein großes Auditorium für Konzerte und Konferenzen sowie ein Archiv mit Zeichnungen und Entwürfen des Architekten. Als jüngstes Architekturjuwel am Hafenrand entsteht von 2010 an bis 2013 auf einem alten Kraftwerksgelände am Enghavevej die von Coop Himmelb(l)au gestaltete Konzertbühne Musikkens Hus.

Ein Klassiker der Weltarchitektur ist das 1972 fertig gestellte Nordjyllands Kunstmuseum, das das finnische Architektenpaar Alvar und Elissa Aalto in Zusammenarbeit mit Jean-Jacques Baruël entworfen hat. Tische, Stühle, Fenster, Türen, Griffe und Lampen – fast alles wurde speziell für die Sammlung zeitgenössischer dänischer und internationaler Kunst entworfen, deren edles Interieur aus Esche, schwarzem Leder und Bronze stilvoll und doch zurückhaltend mit den weißen Wänden kontrastiert. Aus bodentiefen Panoramafenstern im Foyer öffnet sich der Blick auf den Skulpturengarten.

Die Bagger machten auch vor der Innenstadt nicht Halt. Am J. F. Kennedy Plads entstand ein brandneuer Busbahnhof, von dem aus die neu gestaltete Bummelmeile „Boulevarden“ direkt ins Herz der Altstadt führt.

Bekanntestes Wahrzeichen des alten Aalborg ist Jens Bangs Stenhus, von einem Kaufmann 1624 im Renaissancestil gegenüber dem alten Rathaus erbaut und mit skurrilen Fratzen verziert – als Rache dafür, dass er nie in den Rat der Stadt gewählt wurde. Im Erdgeschoss residiert seit mehr als 300 Jahren die älteste Apotheke der Stadt, im Gewölbe die gemütliche Weinstube „Duus Vinkjælder“, in der beim alljährlichen Blå-Festival Jazz-Bands im Kerzenschein konzertieren.

Wenige Schritte weiter wurde 1437 Dänemarks älteste soziale Einrichtung gegründet: das Helligåndsklostret, heute ein innerstädtisches Refugium mit 25 Seniorenwohnungen und öffentlich zugänglichem Klosterhof. Dom des Stifts ist seit 1554 die Budolfikirche mit sehenswerten Fresken im Inneren.

Vor dem Kaufhaus Salling, Aalborgs größtem Warenhaus mit 35 Fachabteilungen, saust ein Fahrstuhl in die Unterwelt, wo täglich von 10 bis 17 Uhr Strahler per Knopfdruck die Ruinen des Gråbrødrekloster aus dem 13. Jahrhundert erhellen. Die Preisinfo für die Liftmünze lässt schmunzeln: 20 Kronen für 250 Kilogramm. Entdeckt wurden das alte Franziskanerkloster bei Bauarbeiten auf Aalborgs Shoppingmeile Algade. Der Abrissbirne nur durch heftigen Protest entging das Traditionshaus Kronen, das Hunderte von Kaffee- und Teesorten und grüne Bohnen zum Selberrösten verkauft.

Wer von der Fußgängerzone in das Gässchen Hjelmerstald abbiegt, taucht ins Ambiente des 16. Jahrhunderts ein. Bunte, liebevoll restaurierte Fachwerkhäuschen säumen die Kopfsteingasse, Stockrosen blühen neben den Granitstufen, Spitzengardinen schmücken die Fenstergitter. In einer sonnengelben, ehemaligen Schmiede wirkt ein stadtbekanntes Kunsthandwerker-Trio: Lisbeth Lange schmückt im Kaltverfahren riesige Glasschalen mit filigranen oder poppigen Mustern. Ihr Mann Peter kreiert meterhohe humorvolle Keramik-Skulpturen, während Tochter Louise das Handwerk der Mutter fortführt.

Ebenfalls dem zerbrechlichen Werkstoff verschrieben hat sich die Aalborger Glasbläserin Lene Højlund, die aus einem unansehnlichen Klumpen Glas schöne Gebrauchsgegenstände zaubert. Zu den Top-Kunsthandwerkern der Stadt gehört schließlich auch Vibeke Nøddebo, die seit 20 Jahren in ihrer Werkstatt in der Jens Bangs Gade Schmuckkreationen aus eingefärbtem Porzellan herstellt: kunterbunte Ohrhänger, verspielte Ketten und puristisch kühle Broschen und Clips.

Geradezu romantisch wirkt das Renaissanceschloss Aalborghus (1540) mit seinem roten Fachwerk und weißen Wänden. Entstanden jedoch ist der heute letzte erhaltene Wohnsitz eines königlichen Lehnsmannes in Dänemark als Drohung gegen die Bürger und Bauern Jütlands, die sich gegen den König aufgelehnt hatten: Im düsteren Gefängnisloch mussten sie ihre Strafe absitzen. Auch die Architektur spricht eine klare Sprache: Die Rückseite weist zur Stadt, die Prunkfront zum Fjord. Doch jetzt sind Bagger angerückt: Strandvejen und Slotspladsen wandeln sich von einer Hauptverkehrsader zur Flaniermeile am Fjord. Schon in ein, zwei Jahren sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Nach Sightseeing und Shopping bringt eine Hafenrundfahrt an Bord von MS Kysten Erholung für die pflastermüden Füße. Während Kapitän Klaus Nielsen die neue Hafenfront entlang schippert, steigt sein Maat in die Kombüse und kehrt mit dampfendem Kaffee und Keksen zurück. Hinter der Einfahrt zum Limfjordtunnel, der Aalborg mit Nørresundby am Nordufer verbindet, wendet Nielsen und lässt seinen 1940 erbauten Holzkahn nun gen Westen durch die Wellen stapfen, bis die kleine Insel Egholm den Fjord teilt.

Dicht unter Land geht es zurück – vorbei am Søfart- og Marinemuseum mit dem 54 Meter langen U-Boot „Springeren“ und dem schnellsten Torpedoboot der Welt, den Segeljachten im Vestre Bådehavn und der Backsteinfabrik von Aalborg Akvavit, in der seit 1881 der weltbekannte Schnaps der Stadt gebrannt wird. Jeden Samstag gibt eine zweistündige Werksführung Einblick in die Geschichte und Geheimnisse der Schnapsherstellung. Bei der abschließenden Verkostung im kleinen Kellermuseum können alle 16 Sorten Aquavit probiert werden: der goldgelbe „Jubi“, der mit Gagelstrauch aromatisierten „Porse“, der milde Dild und der Taffel-Akvavit von 1846.

Noch ein Absacker gefällig? Die nahe Jomfrue Ane Gade bildet mit 22 Cafés, Kneipen, Bistros, Bars, Rockschuppen und Tanztempeln wie Bombay Barfly „Dänemarks längste Theke“.

In Aalborg, behaupten die Einheimischen, ist es nie weit zwischen zwei Schnäpsen. Doch jetzt ist eine ordentliche Grundlage vonnöten. 300 Restaurants, Cafés oder Bars stillen den kleinen Hunger, verwöhnen mit deftiger Traditionsküche oder begeistern mit Spitzenküche im stilvollen Ambiente. Nicht nur eine Aalborger, sondern fast schon eine dänische Institution ist der puristisch-edle Mortens Kro, in dem Morten Nielsen, dänischer Koch des Jahres 1996, Schriftsteller und Fernsehmoderator als Küchenchef am Herd wirbelt – und seine Köstlichkeiten gelegentlich auch selbst serviert.

Der Sonntag beginnt mit einem ausgiebigen Brunch im Café Luna am Boulevarden. Familien mit Nachwuchs zieht es dann zu den 1.600 Tieren im Aalborg Zoo, Sportliche in das Erlebnisbad Svømmeland in Nørresundby. Wer nur ein Wochenende in Aalborg verbringt, sollte zum Abschied einen Ausflug in die Frühgeschichte machen.

Nördlich des Limfjord, auf dem Weg zum Flughafen und den Badeorten der Westküste, liegt Skandinaviens größte Siedlung und Steinsetzung aus der Eisen- und Wikingerzeit: Lindholm Høje. Bis zu den Ausgrabungen 1952 bedeckte Flugsand die 682 Gräber auf der Hügelkuppe, zwischen denen heute Schafe und Zeigen weiden. Nördlich des Gräberfeldes wurden auch Überreste einer Siedlung mit Lang- und Grubenhäusern, Brunnen, Latrinen und holzgepflasterten Wegen freigelegt. Wie die Menschen der Vorzeit lebten, zeigt das angeschlossene Museum mit Dioramen, Modellen und vielen Fundstücken. Jeden Sommer werden die Wikinger wieder lebendig: Von Mitte Juni bis Anfang Juli wird ein Wikingerspiel unter freiem Himmel aufgeführt, Ende Juni lockt ein Wikingermarkt mit Kunsthandwerk und Kulinarischem aus jener Zeit, das ganze Jahr hindurch ein unvergleichlicher Abschiedsblick auf Aalborg: „Farvel“ und – bis bald!

Auskunft:


VisitAalborg, Østerågade 8, DK–9000 Aalborg, Tel. 00 45 / 99 30 60 90, info@visitaalborg.com www.visitaalborg.com


Schlafen:

Hotel Hvide Hus, Vesterbro 2, DK–9000 Aalborg, Tel. 00 45 / 98 13 84 00, Fax 98 13 51 22, aalborg@hotelhvidehus.dk www.hotelhvidehus.dk

Phønix Hotel, Vesterbro 77, DK–9000 Aalborg, Tel. 00 45 / 98 12 00 11, Fax 98 10 10 20, phoenix@helnan.dk www.helnan.dk

Schlemmen:

Mortens Kro, Mølleå 4-6 (Mølleå Arkaden), Tel. 0045 / 9812 4860, info@mortenskro.dk www.mortenskro.dk
 
Duus Vinkjælder, Østerågade 9, Tel. 00 45 / 98 12 50 56.

Søgaards Bryghus, C. W. Obels Plads 1A, Tel. 0045 / 9816 1114, www.soegaardsbryghus.dk

Shoppen:

Unentbehrlich: der handliche Aalborg Shopping Guide für die Handtasche, kostenlos erhältlich bei VisitAalborg.


Nicht verpassen:


Lange Kunsthåndværk, Hjelmerstald 15,
Tel. 0045/98138268, peterlange@mail1.stofanet.dk louiselange@stofanet.dk www.langekeramik.dk

Glaspusteriet Lene Højlund, Nørregade 6/Søndergade 9A,
Tel. 00 45 / 98 13 01 20, www.lenehojlund.dk

Vibeke Nøddebo,
Jens Bangs Gade 4,
Tel. 00 45 / 98 16 66 55, vibekenoeddebo@worldonline.dk www.vibekenoeddebo.dk

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