
Landwirtschaft und Fischfang ließen sich so miteinander verbinden, dass man dann auf Fischfang ging, wenn es auf dem Acker nichts zu tun gab. Da die Schifffahrt in der Jammerbucht gefährlich war, fielen dem Meer viele Menschen zum Opfer. Grund für die vielen Unglücke waren die starke Strömung und der Westwind, die die Schiffe an die Küste trieben. Der Name Jammerbucht weist auf die vielen Unglücklichen hin, die hier ihr Leben verloren.
Im Jahre 1852 entstand die erste Rettungsstation an der Küste und dann kamen immer mehr hinzu. Sie waren auffallend in Rot-Weiß mit einer Flagge am Tor, und hierher eilten im Notfall Leute, die sich mit den Tücken des Meeres bestens auskannten. Besondere Gilden kümmerten sich um die Bergung von Schiffsladungen, was ihnen so viel einbrachte, dass das in „guten“ Jahren mehr einbrachte als der Fischfang. Wie gerüchteweise verlautet, versuchte die hier lebende Bevölkerung bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dem Strandvogt zuvorzukommen, dessen Aufgabe es war, das Strandgut zu registrieren, bevor es zugunsten der Staatskasse versteigert wurde.

Mit den Stadtrechten erhielten die Kleinstädte das Monopol auf nahezu jede Art von Handel. Die Küstenbewohner erhielten 1686 vom König das verbriefte Recht, zwischen Klitmøller und Løkken Handel mit Küstenschiffen oder Fischerbooten zu betreiben. Der Grund hierfür war, dass es hier kaum Bauholz gab, in Norwegen dagegen reichlich. Dort fehlte es aber an Getreide und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, über die man in Vendsyssel und Thy verfügte.
Der Küstenhandel mit Schiffen, der für Beschäftigung sorgte, brachte Geld ein und die Kaufleute führten zudem noch einen Laden. Sie konnten sich über hohe Umsätze freuen, denn die vielen Bauern, die ihre Erzeugnisse brachten, kaufen hier auch für zu Hause ein. In den Handelshöfen gab es auch einen Gasthof, wo man bewirtet wurde und übernachten konnte.

Auch heute noch findet man Spuren aus dieser Zeit, etwa in Løkken und Blokhus, wo in einigen ehemaligen Handelshäusern Hotels eingerichtet wurden. Auch in kleineren Orten gibt es noch Zeugen ehemaliger Handelshöfe, wie etwa Speicher in den Dünen, die abgerissen wurden oder heute anderen Zwecken dienen.
Die Blütezeit des Küstenhandels lag in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Als sich die Handelsgeschäfte danach mehr ins Inland verlagerten, verlor er an Bedeutung. Vielerorts wurde der Fischfang Haupterwerbszweig für die einheimische Bevölkerung.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts tauchten erstmals Fremde in den entlegenen Küstenorten auf. Es handelte sich um Künstler, Schriftsteller und Maler, die in diese ‚fremde Welt’ kamen und durch ihre Bilder und Berichte dazu beitrugen, dass andere Gäste aus der gutbürgerlichen Schicht von Kopenhagen hierher kamen. Auch wenn die bekanntesten von ihnen die Maler waren, die es nach Skagen zog, so siedelten sich entlang der gesamten Küste verschiedene Künstler an.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen Ärzte zu der Erkenntnis, dass sich frische Luft und Baden im Meerwasser günstig auf die Gesundheit auswirkt. Man meinte, dass viele Menschen durch die Luft in der Stadt krank würden, wo oft Epidemien ausbrachen, und dass auch aufgrund der allgemein schlechten Hygiene die Sterblichkeit hoch war.
Da es bei Angehörigen der vermögenden Bevölkerungsschicht zunehmend üblich wurde, im Sommer aufs Land zu ziehen, folgten sie kurzerhand den Künstlern nach Nordjütland. Neben den Urlaubsgästen aus Dänemark stellten sich auch immer mehr Ausländer hier ein. Sich einer Kur zu unterziehen, war in besseren Kreisen – etwa in Deutschland – bereits seit dem 18. Jahrhundert üblich.

Zunächst kamen die Gäste wegen der guten Luft, doch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Baden im Meer immer beliebter. Anfangs badeten hier nur die Urlaubsgäste, während die Einheimischen kopfschüttelnd zusahen. Sie hatten von Kindesbeinen an gelernt, dass man sich vor dem Meer in Acht zu nehmen hatte, weshalb sie sich auch mit der frischen Luft begnügten und nur die Kinder ein bisschen am Strand plantschen ließen.
Da Sonnenbräune alles andere als schick war, konnte man sich Strandkörbe mieten, die Schutz vor der Sonne boten, und es gab besondere Badewagen, in denen man sich vor und nach dem Bad umkleiden konnte. Anfangs wurden diese Wagen ins Wasser gezogen, doch als die Zahl der Badegäste stieg, ging man zu Badehäuschen über, die auf dem Strand standen. Sie gehörten bald zum gewohnten Strandbild, und die entlang der Küste entstehenden Badehotels boten sie ihren Gästen an. An einigen Orten musste man Miete für die Wagen bzw. Häuschen zahlen, und Badeanzüge konnte man ebenfalls leihen. Zumeist kümmerte sich eine ältere Frau oder ein älteres Ehepaar um die Badehäuschen. Sie waren es auch, die die Badeanzüge ausspülten und für den nächsten Badegast zum Trocknen aufhängten.